Es ist 5 Uhr morgens. Eine Kerze brennt … diese kleine, heiße, lichtspendende Sonne im Raum. Beim Schreiben schaue ich zugleich auf den Computerbildschirm.
Zwei Lichtquellen: Kerze und Bildschirm, erhellen diese dunkle Morgenstunde die sich gut für kontemplative Betrachtungen eignet. Zum Beispiel für die Gegenüberstellung Künstlerischer und Künstlicher Intelligenz. Kunst und Technik sind Geschwister. Sie haben dieselbe Sprachwurzel (griechisch téchne).
Soll ich die KI befragen und rasch fertig sein? Nein, ich schreibe ihr lieber einen Brief.
Mehr und mehr machen wir von künstlicher Intelligenz Gebrauch. In welchem Ausmaß greift sie eigentlich in unsere Entscheidungsprozesse ein? Und wie wirkt sie sich auf unsere kognitiven Fähigkeiten aus? Lassen Sie uns darüber ehrlich nachdenken. Haben wir nicht manchmal das Gefühl, dass künstliche Intelligenz unseren freien Willen beeinträchtigt?
Aristoteles unterscheidet eine Intelligenz, die „alles wird“, von einer anderen, die „alles macht“. Die letztere, die produktive Intelligenz, beschreibt er als unsterblich und ewig. Sie ist Wirklichkeit. Durch sie wird das Verstehbare in einem Denkakt gegenwärtig. Wirkliches Denken verlangt, dass Sinn und Bedeutung verstanden werden.
Die kleine, abgetrennte Seele kann zu einer großen Seele transformieren, wenn sie bereit ist, sich durch Loslassen und Hingabe zu öffnen für die grenzenlose und holografische Intelligenz der Einheit.
Ein Mensch, der der Stille, der reinen Aufmerksamkeit und der Leere in sich Raum gibt, ist ein Mensch, der das absolut Gute, also den Geist in sich bewusst regieren lässt und daher nicht anders kann, als gut zu sein – und, als Folge: gut zu denken.